Brasilien – eine bunte Mischung
Brasilien – eine bunte Mischung
Inspiration
Verfasser: Natalie

Brasilien – eine bunte Mischung

Brasilien klingt nach Strand und Karneval, doch das Land hat viel mehr zu bieten. Schließlich nimmt es fast die Hälfte Südamerikas ein und erstreckt sich über drei Zeitzonen! Die fünf großen Regionen unterscheiden sich alle in Landschaft, Klima und Besonderheiten, von weißen Palmenstränden bis tiefstem Regenwald kann man hier alles erleben. Auch die Menschen sind eine Reise wert: ihre Herzlichkeit und sprühende Lebensfreude wird dein Herz im Sturm erobern. Die meisten Brasilianer haben ausländische Wurzeln, neben den europäischen Einwanderern spielt auch die afrikanischstämmige Kultur eine große Rolle.

Kulinarik

Die Multikulturalität des Landes spiegelt sich auch in der vielfältigen Küche wider. Als Nationalgericht gilt die feijoada, ein schwarzer Bohneneintopf, der traditionell im Tontopf gereicht wird. Er wurde aus Portugal mitgebracht und nach Meinung der Brasilianer hier verbessert, genau wie die coxinhas, Kroketten mit Hühnchen, Frischkäse und Kräutern. Zu wirklich allem werden Reis und Bohnen gereicht. Nie fehlen darf außerdem die farofa, ein geröstetes Pulver aus Maiok-Mehl als Würze. Ähnlich beliebt ist Churrasco – am Spieß gegrilltes Fleisch in unterschiedlichsten Variationen – das man v. a. in darauf spezialisierten Restaurants, den Churrascarias bekommt. Wer Süßes mag, wird die brigadeiros lieben: mit Schokolade ummantelte Karamellpralinen. Am besten schmecken die bei den Straßenverkäufern mit ihren knallbunten Ständen, dort gibt es sie in allen erdenklichen Versionen. Ebenfalls sehr süß und nicht nur in der klassischen Variante mit Limetten trinken die Brasilianer ihren weltberühmten Caipirinha, der deutlich stärker gemischt wird als hierzulande.

Kunst & Brauchtum

Denkt man an Brasilien, kommt vielen der Karneval in den Sinn. Am wildesten gefeiert wird der in São Paulo, Rio de Janeiro und Salvador. Neben dem feucht-fröhlichen Straßenkarneval ist vor allem der Wettbewerb der Sambaschulen ein einmaliges Erlebnis. Im sambódromo, einer riesigen Tribünenstraße, defilieren vor zehntausenden feiernden Zuschauern die Sambaschulen. Das bedeutet über hunderttausend Menschen in kreativen, oft knappen Kostümen, die auf prächtigen Motivwagen wild tanzen. Am Ende der Nacht wird die beste Sambaschule gekürt – und am nächsten Tag beginnen schon die Vorbereitungen für das nächste Jahr! Neben Samba gibt es noch weitere sehr melodische Musikstile: den beliebten Pagode, dessen Interpreten wahre Popstars sind, den etwas ruhigeren Choro und den jazzigen Bossa Nova.

Handwerk & Tradition

Es gibt ein sehr großes Spektrum an Kunsthandwerk, das sich je nach Region stark unterscheidet. Im Norden ist die Töpferei verbreitet, dessen Grundmaterial hier reichlich vorhanden ist. Viele Nordbrasilianer leben vom Kunsthandwerk und Tourismus. Im Westen arbeiten die Künstler mit allem Material, das ihnen zur Verfügung steht, darunter Blätter, Samen, Wurzeln oder Pflanzenfasern. Die Produkte dort spiegeln den indigenen Folklore und die Mythen der Region wider. Im Süden ist der europäische Einfluss am stärksten, hier leben viele deutsche Einwanderer. So viele, dass hier sogar ein Oktoberfest inklusive Trachtenumzug gefeiert wird, nur übertroffen vom Münchener Original.

Geschichte

In der Caverna da pedra pintada in Nordbrasilien wurden Keramiken gefunden, die ganze 11.000 Jahre alt sind. Erst im Jahr 1500 n. Chr. traf der Portugiese Pedro Álvares Cabral bei seiner Reise nach Indien auf ein Hindernis: Brasilien. Mithilfe von einheimischen und afrikanischen Sklaven wurden bald das wertvolle Brasilholz, aber auch Gold und Diamanten abgebaut. Im Jahr 1889 gewann das Land seine Unabhängigkeit und ist nach einer Militärdiktatur von 1965 bis 1985 mittlerweile wieder eine Demokratie. Das gesamte Land ist immer noch stark durch die Kolonialisierung geprägt. Die Mehrheit der Brasilianer hat einen bunt gemischten Genpool, viele haben europäische und afrikanische Wurzeln.

Religion

Deus é Brasileiro“ – „Gott ist Brasilianer“, behauptet man hier, schließlich ist bis heute die überwiegende Mehrheit der über 200 Millionen Einwohner katholisch. Mittlerweile ist die Religionslandschaft aber vielfältiger geworden und man findet auch Angehörige vieler anderer Weltreligionen. Die indigene Kultur ist von der Kolonialisierung leider stark verdrängt worden. Wichtig sind auch die afro-brasilianischen Religionen wie das Condomblé, die von den afrikanischen Sklaven mitgebracht wurden und sich gegen Unterdrückung, Rassismus und Verfolgung behauptet haben. Dazu gehört zum Beispiel der Voodoo, der sich im Laufe der Geschichte mit dem Katholizismus verflochten hat. In manchen Regionen kann es sogar vorkommen, dass ein katholischer und ein Voodoo-Priester gemeinsam eine Messe abhalten.

Architektur & Landschaft

Vor allem in den Küstenregionen gibt es schöne Städte, in denen von Kolonialvillen bis zu Armenvierteln alles vorhanden ist. Manche Regionen sind sehr industrialisiert, im Amazonasgebiet haben einige Völker dagegegen kaum Kontakt zur Außenwelt. Neben weißen Sandstränden an der Küste gibt es im Süden Hochebenen und Gebirge und im Amazonasgebiet im Norden riesige Tropenwälder. Hier findet man die größte Artenvielfalt unseres Planeten; was es in Deutschland als teure Zimmerpflanzen zu kaufen gibt, wächst hier wie Unkraut. Bei einer Nachtwanderung kannst du erleben, wie der Dschungel erwacht, du hörst Vögelrufe, Klackern, Pochen… Wer denkt, in der Stadt ist es laut, der ist noch nie im Dschungel gewesen! Ganz im Süden Brasiliens an der Grenze zu Argentinien kannst du die eindrucksvollen und 2,7 km langen Iguaçu-Wasserfälle bestaunen.

Sprache & Menschen

Die Brasilianer sind sehr herzliche Menschen, die dir sofort das Gefühl geben, dazuzugehören. Dann kannst du mit ihnen in einer der vielen Bars eine tolle Zeit verbringen. Das Miteinander ist so wichtig, dass es sogar in Bäckereien Bier oder Caipirinha zu trinken gibt. Mit Englisch haben es die meisten Brasilianer nicht so, dafür wissen sie es umso mehr zu schätzen, wenn du versuchst, Portugiesisch zu lernen. Am liebsten tanzen sie bei jeder Gelegenheit, ob auf der Straße, am Strand oder zuhause. Nur das Wochenende ist für die Familie reserviert.