Indien ist bunt und vielfältig
Indien ist bunt und vielfältig
Inspiration
Verfasser: Andrea

Indien ist bunt und vielfältig

Indien ist ein Land der Gegensätze und Extreme: Die Armut in Slums steht der dynamischen Entwicklung zu einer der weltweit größten Wirtschaftszentren gegenüber. Alte Traditionen, die das Land über Jahrtausende geprägt haben, prallen auf modernste Technologien und rasante Forschungsfortschritte. Zudem ist Indien mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern das zweit-bevölkerungsreichste Land der Erde. Obwohl damit jeder sechste Mensch auf der Welt Inder ist, birgt diese Kultur für uns Westeuropäer noch viel Unbekanntes und Faszinierendes:

Kulinarik

Chicken Tandoori, Butter Chicken oder auch Palak Paneer: Wenn du Liebhaber der indischen Küche bist, sind dir diese kulinarischen Köstlichkeiten sicherlich ein Begriff. Aber hast du vielleicht schon einmal Galub Jamun probiert? Galub Jamun sind süße Milchbällchen – ziemlich süße Milchbällchen sogar – die gerne als Dessert gegessen werden. Auch pikant gefüllte Teigtaschen – sogenannte Samosas – sind als Snack sehr beliebt.

Kunst & Brauchtum

Die bei uns als Henna-Tattoos bekannten kunstvollen, temporären Köperverzierungen heißen Mehndi und werden Inderinnen u. a. für die Hochzeitsnacht aufwändig an Armen und Beinen aufgemalt. Mehndi werden üblicherweise als Paste aus einer Tube auf die Haut aufgetragen und nach mehreren Stunden Einwirkzeit bleibt nach dem Abwaschen der Paste die Haut an den bemalten Stellen für mehrere Wochen eingefärbt. Die rotbraune Farbe Henna wird durch Trocknen und Zermahlen der Blätter des Hennastrauchs gewonnen.

Indien ist bunt. Ganz besonders zeigt sich dies, wenn die Hindus jedes Jahr im Februar / März das Holi Fest, das „Fest der Farben“ feiern, das oft mehrere Tage andauert. Bei diesem farbenfrohen Spektakel scheinen gesellschaftlicher Status, Geschlecht und Alter keine Rolle zu spielen, alle feiern ausgelassen und bewerfen sich mit Pulver unterschiedlichster Farben.

Handwerk & Tradition

Weißt du, was der aufgemalte rote Punkt auf der Stirn mancher Inder zu bedeuten hat? Dieser Punkt nennt sich Bindi und symbolisiert das dritte Auge, das die Fähigkeit hat, nach innen zu sehen.

Eine große Tradition in Indien hat auch die Handwebkunst. Die Webstücke wie Teppiche, Decken und Schals werden in filigraner Handarbeit gefertigt und erzählen oftmals eine gesellschaftliche, religiöse oder topographische Geschichte. Sehr bekannt sind auch die Sari-Stoffe in allen erdenklichen Farben und Mustern, aus denen sich Inderinnen ihre Kleider wickeln.

Womöglich hast du schon mal den Begriff „Ayurveda“ gehört. Das ist die Jahrtausende alte indische „Wissenschaft des Lebens“. Sie ist eine ganzheitliche Heilkunst, die Ernährung, Massagen sowie Reinigungsverfahren verbindet und Elemente der Yogalehre integriert.  In Indien ist der Ayurveda mit seinen Ritualen vielerorts ein fester Bestandteil des Alltags.

Geschichte

Die Geschichte Indiens wurde in besonderem Maße von den hinduistischen und muslimischen Adligen, den Rajas (z. B. Maharadschas), geprägt. Sie waren Herrscher über autonome Gebiete und verfügten nicht selten über unsagbaren Reichtum. Mit der Zeit und insbesondere während der britischen Kolonialzeit (1847 – 1945) verloren die Könige und Fürsten immer mehr an Einfluss. Heute ist dieser Herrschertitel nicht mehr mit politischer Macht verbunden, sondern wird nur noch als Höflichkeitstitel benutzt.

Die britische Kolonialherrschaft hat Indien nachhaltig geprägt und noch heute ist sein Einfluss sichtbar. Relikte dieser Ära sind beispielsweise der vorherrschende Linksverkehr, Cricket als beliebter Volkssport oder auch Englisch als zweite Amtssprache.

Religion

Durch die Abspaltung der nord-westlichen Region Indiens in das muslimische Pakistan im Jahre 1947, gehören heutzutage knapp 80 % der Inder dem Hinduismus an. Der Hinduismus prägt den privaten und öffentlichen Alltag mit einer für Europa schwer vorstellbaren Intensität. So sind Kühe in Indien nicht selten Verursacher von Verkehrsunfällen, denn sie gelten bei den Hindus als heilig und unantastbar, d. h. ihnen darf keinesfalls Schaden zugefügt werden. Sie laufen daher frei in den Städten und Dörfern herum. Wenn also mal wieder eine Kuh mitten auf der Kreuzung steht, heißt es für alle Verkehrsteilnehmer Geduld bewahren.

Architektur & Landschaft

Der große Reichtum früherer Herrscherfamilien spiegelt sich noch heute in den unzähligen pompösen Palästen und Forts wider. Das Taj Mahal, das Wahrzeichen Indiens, ist der beste Beweis für eben jene prachtvolle Gebäudearchitektur und gilt als eines der beeindruckendsten Symbole ewiger Liebe: der Großmogul Sha Jahan ließ den Prachtbau als Mausoleum für seine Frau Mumtaz Mahal erbauen, die 1631 bei der Geburt ihres 14. Kindes verstarb.

Sprache & Menschen

Was Latein für Europa ist, ist Sanskrit für Indien bzw. für den gesamten südasiatischen Raum. Sanskrit wird heutzutage zwar nur noch von wenigen Indern als Muttersprache gesprochen, aber insbesondere religiöse hinduistische Schriften werden noch heute in Sanskrit vorgetragen. Sogar in unserem Sprachgebrauch finden sich Wörter, die aus Sanskrit abgeleitet sind, wie zum Beispiel Dschungel, Orange, Ingwer oder Lack.

Der Bollywood Film hat in Indien einen hohen Stellenwert. Wenn ein neuer Kinofilm veröffentlicht wird, strömen die Menschen in Massen ins Kino. Und anders als bei uns wird dort seinen Emotionen gerne freien Lauf gelassen: es wird intensiv mit den Darstellern mitgefiebert, es wird gelacht, getanzt, dazwischengerufen und Bösewichte werden ausgebuht. Und genau das macht die indische Mentalität und das indische Lebensgefühl aus.