Japan – Das Streben nach Perfektion
Japan – Das Streben nach Perfektion
Inspiration
Verfasser: Natalie

Japan – Das Streben nach Perfektion

Der Inselstaat Japan, auch als Land der aufgehenden Sonne bekannt, ist nur wenig größer als Deutschland, hat aber 40 Millionen Einwohner mehr. Auch daran kann es liegen, dass die Japaner ein überaus respektvolles und diszipliniertes Volk sind. Das Land hat eine bewegte Geschichte, die eine vielfältige Kultur hervorgebracht hat.

Kulinarik

In Japan wird viel Wert auf frische, saisonale Lebensmittel und eine schonende Zubereitung gelegt. Unter den Zutaten sind viel Gemüse, Meeresfrüchte, Algen und Pilze, und natürlich Reis. Weltweit bekannt sind die Gerichte Sushi, das aus rohem Fisch hergestellt wird, und Ramen, eine Suppe chinesischen Ursprungs. Besonders ungewöhnlich ist natto, eine klebrige Masse aus fermentierten Bohnen. Es zieht Fäden und riecht wie schmutzige Socken, doch sobald man sich daran gewöhnt hat, möchte man es nicht mehr missen. Zum Nachtisch gibt es unerwartete Geschmäcker: Süßes aus Roter Bohnenpaste, Eis mit Grünteegeschmack oder mochi, klebrigen Reiskuchen.

Kunst & Brauchtum

In der ereignisreichen Geschichte des Landes hat es viele kulturelle Blütezeiten gegeben, die zahlreiche Kunstformen hervorgebracht haben. Dazu gehören neben der berühmten Malerei das traditionelle Kabuki-Theater, Haiku-Gedichte und vieles mehr. Jedweder Tätigkeit widmen sich die Menschen voller Hingabe, selbst wenn es „nur“ um Teetrinken geht: Bei den japanischen Teezeremonien wird dies eindrucksvoll zelebriert.

Handwerk & Tradition

Jahrhundertelang schufen japanische Schmiede für die Samurai-Krieger meisterhafte Schwerter. Da diese heute kaum mehr gebraucht werden, widmen sich ihre Nachkommen nun mit dem gleichen Eifer der Herstellung von Küchenmessern, die weltweit ihresgleichen suchen. Viel über die japanische Kultur verrät auch kintsugi, die Kunst, Keramik zu reparieren. Anstatt zerbrochenes Geschirr wegzuwerfen, wird es mit Goldlack geklebt und erlangt so einen neuen Stellenwert: Der ursprüngliche Makel ist zu einem ästhetischen Alleinstellungsmerkmal geworden.

Geschichte

Japan ist eine Insel ohne Landesgrenzen, wurde aber trotzdem stark von seinem großen Nachbar China beeinflusst. Schon vor über 2000 Jahren entstanden Handelsrouten, und so gelangte neben landwirtschaftlichen Methoden wie dem Reisanbau auch die chinesische Kultur mit ihrer Schrift und Religion nach Japan. Nach der Vereinigung der Territorien herrschten mal Kaiser, mal Militärführer, sogenannte Shogune, über das Land. Als die Europäer mit ihren Schiffen kamen und die westliche Wissenschaft und das Christentum einführen wollten, schottete sich Japan lieber jahrhundertelang ab. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts öffnete es sich unter dem Zwang der US-Amerikaner und führte ein politisches und gesellschaftliches System nach westlichem Vorbild ein. Der zweite Weltkrieg prägte das Land sehr, löschten die Atombombenabwürfe doch die beiden Städte Hiroshima und Nagasaki vollkommen aus. In der Nachkriegszeit erfuhr Japan ein Wirtschaftswunder und ist heute einer der Weltmarktführer in Industrie und Technologie.

Religion

Die beiden wichtigsten Religionen sind der Shintoismus und der Buddhismus, die friedlich nebeneinanderher existieren. Die meisten Japaner praktizieren beides und so sind überall prächtige Shinto-Schreine und buddhistische Tempel zu finden. Um eine der religiösen Stätten zu besuchen, wäscht man sich zunächst Hände und Gesicht, verneigt sich dann mehrmals und zieht an einer Glocke. Um die Schreine und Tempel zu betreten, muss man seine Schuhe ausziehen, bekommt aber Pantoffeln zur Verfügung gestellt. Besonders beeindruckend ist der Fushimi-Inari-Taisha-Schrein in Kyoto, der der Gottheit Inari, Schutzpatronin der Händler und Handwerker, gewidmet ist. Hier kann man auf einem Hügel tausende von roten Holztoren verschiedener Größe durchschreiten. Diese wurden von Privatpersonen und Unternehmen gespendet, in der Hoffnung auf Segen und Wohlstand.

Architektur & Landschaft

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die japanischen Städte mit modernen Gebäuden wieder aufgebaut, doch besonders interessant ist die traditionelle Architektur. Typische Konstruktionsmaterialien sind hier Holz und Papier, das Dach besteht aus Ziegeln oder Schilf. Oft sind die Häuser auf Pfählen gebaut und besitzen Holzfachwerk, was sie erdbebensicher macht. Die Inneneinrichtung ist minimalistisch und multifunktional: Ein Kissen macht den Raum zum Wohnzimmer, ein Futon zum Schlafzimmer. Die Tische sind kniehoch und beheizt; man sitzt auf Polstern auf dem Boden, der mit tatami, Reisstrohmatten, ausgelegt ist. Rund ums Haus verläuft eine überdachte Veranda, von wo aus man einen erholsamen Blick auf den mit Liebe gestalteten Garten hat. Wunderschön ist auch die Landschaft Japans: Das Land ist zu großen Teilen mit bewaldeten Berglandschaften bedeckt, das Klima kann auf den vielen Inseln jedoch stark variieren. In der Nähe der Hauptstadt Tokio erhebt sich der imposante Berg Fuji, der als Nationalsymbol gilt.

Sprache & Menschen

Was auch immer die Japaner tun, sie tun es richtig: Selbst Ausflüge mit der Familie werden minutiös geplant. Höflichkeit, Motivation und Disziplin gelten in allen Lebensbereichen als selbstverständlich. Dabei wird manchmal übertrieben, viele Menschen leiden an Überarbeitung. Gegenüber Fremden wirken Japaner am Anfang oft distanziert, doch sobald man sich kennengelernt hat, sind sie herzlich, hilfsbereit und zugewandt. Das kommt Touristen ohne Japanischkenntnisse gut gelegen, denn nicht immer ist die Orientierung einfach. Sind die Schilder nicht auf Englisch übersetzt, wird es schwierig, denn die japanische Schrift wird gleich in drei Schriftsystemen dargestellt: chinesische Kanji, Hiragana und Katakana.